Wenn in der Wirtschaftspolitik von einer unausgeglichenen Zahlungsbilanz bzw. von einem Zahlungsbilanzungleichgewicht gesprochen wird, ist stets die Leistungsbilanz einschließlich der Vermögensbilanz gemeint.
Man spricht von einem Zahlungsbilanzüberschuss, wenn die Leistungsbilanz einschließlich der Vermögensbilanz positiv ist.
Ein Zahlungsbilanzdefizit ist gegeben, wenn die Leistungsbilanz einschließlich der Vermögensbilanz negativ ist.
Zahlungsbilanzungleichgewichte
| Zahlungsbilanzdefizite | Zahlungsbilanzüberschüsse |
| 1. Die Warenimporte sind wertmäßig größer
als die Warenexporte (passive Handels- bilanz) 2. Die Importe von Dienstleistungen sind wertmäßig größer als die Exporte von Dienstleistungen (passive Dienstleistungs- Bilanz) 3. Die unentgeltlichen Leistungen an das Ausland sind größer als die unentgelt- lichen Leistungen des Auslands (passive Übertragungsbilanz) 4. Die Ausgaben für Erwerbs- und Ver- mögenseinkommen sind größer als die Einnahmen |
1. Die Warenexporte sind wertmäßig größer
als die Warenimporte (aktive Handels- bilanz) 2. Die Exporte von Dienstleistungen sind wertmäßig größer als die Importe von Dienstleistungen (aktive Dienstleistungs- Bilanz) 3. Die unentgeltlichen Leistungen des Auslands sind größer als die unentgelt- lichen Leistungen an das Ausland (aktive Übertragungsbilanz) 4. Die Einnahmen aus Erwerbs- und Ver- mögenseinkommen sind größer als die Ausgaben an das Ausland |
Ursachen der Zahlungsbilanzungleichgewichte
| Zahlungsbilanzdefizite | Zahlungsbilanzüberschüsse |
| 1. Die Exporte sind wertmäßig geringer
als die Importe: hInländische Waren und Dienstleistungen sind teurer als im Ausland hInländische Produkte sind im Ausland nicht gefragt, weil sie nicht dem technisch möglichen Know-how entsprechen hStrukturelle Veränderungen (Bedürfnis- verschiebungen, Missernten) hWechselkurs ist zu niedrig bewertet hDas Inland befindet sich im Konjunktur- aufschwung; steigende Einkommen der Inländer 2. Hohe unentgeltliche Leistungen an das Ausland: hBeschäftigung ausländischer Gastar- beiter, die Überweisungen an Familien- mitglieder im Ausland tätigen hPolitische Gründe (Stationierungs- kosten, Zahlungen an internationale Organisationen (EU, UNO, NATO) 3. Höhere Ausgaben für Erwerbs- und mögenseinkommen: hhohes Zinsniveau im Inland hattraktive Standortfaktoren für In- vestitionen im Inland |
1. Die Exporte sind wertmäßig größer
als die Importe: hInländische Waren und Dienstleistungen sind billiger als im Ausland hInländische Produkte sind im Ausland besonders gefragt, weil sie mit einem besonderen technischen Know-how ausgestattet sind, weil inländische Lieferanten als besonders zuverlässig gelten, weil der Service besonders gut ist hWechselkurs ist zu hoch bewertet hDas Ausland befindet sich im Konjunktur- aufschwung; steigende Einkommen der Ausländer 2. Hohe unentgeltliche Leistungen des Auslands: hInländer arbeiten im Ausland hPolitische Gründe (Empfänger von Reparationen, Zahlungen von internationalen Organisationen (EU) 3. Höhere Einnahmen aus Erwerbs- und Vermögenseinkommen: hhohes Zinsniveau im Ausland hattraktive Standortfaktoren für In- vestitionen im Ausland |
Wirkungen der Zahlungsbilanzungleichgewichte
| Zahlungsbilanzdefizite | Zahlungsbilanzüberschüsse |
| 1. Leistungsbilanzdefizite bedingen Devisen-
abflüsse. Sofern ein Defizit der Leistungs- bilanz nicht durch entsprechende Kapital- importe ausgeglichen wird, verringern sich die Gold- und Devisenbestände der Zentralbank. Devisenabflüsse bedeuten eine Verringerung der inländischen Geld- menge. Grund: die Zentralbank verringert durch die Abgabe von Devisen die um- laufende Geldmenge. 2. Das Zinsniveau steigt 3. Beschäftigungsrückgang 4. Rückgang der Preissteigerungsraten (deflationäre Tendenzen; jedoch nur auf Märkten, die annähernd durch die Be- dingungen vollständiger Konkurrenz gekennzeichnet sind) 5. Wechselkurse sinken (Außenwert des Geldes nimmt ab); d. h. Abwertung des Euro. |
1. Leistungsbilanzüberschüsse bedingen
Devisenzuflüsse. Wird ein Überschuss der Leistungsbilanz nicht durch an das Ausland gewährte Kredite (Kapitalexport) in gleicher Höhe kompensiert, so muss sich die Aus- Landsposition der Zentralbank entsprechend erhöhen. Nettodevisenzuflüsse haben dann eine Erhöhung der inländischen Geldmenge zur Folge, weil die Bundesbank durch den Ankauf von Devisen die inländische Geld- menge zur Folge. 2. Fallendes Zinsniveau 3. Zunehmende Beschäftigung 4. Preissteigerungen, sofern die volkswirt- schaftlichen Produktionskapazitäten an- nähernd voll ausgelastet sind. 5. Wechselkurse steigen (Außenwert des Geldes nimmt zu); d. h. Aufwertung des Euro |